Überlegungen vor der Adoption eines (Tierschutz)hundes

Denken Sie darüber nach einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben?

Dann beginnt vielleicht bald eine wunderbare, spannende Reise mit Ihrem vierbeinigen Freund, der Ihr Leben verändern und auf den Kopf stellen wird.

Wir freuen uns sehr, dass Sie zu uns gefunden haben, um sich zu informieren, oder weil Sie sich für einen bestimmten Hund interessieren.

 

Seit 2012 haben wir viele Menschen und Hunde in ihren neuen gemeinsamen Lebensabschnitt begleiten dürfen. Wir wünschten, es wären noch viel mehr.

In der Ukraine warten unzählige Hunde auf eine Chance.

Viele haben Kampfhandlungen erlebt und überlebt, Beschuss, Explosionen, extremen Hunger, Misshandlungen, Kälte und Krankheiten.

Die Not zu sehen und zu wissen, dass man nur wenigen dieser Tiere helfen kann, ist für alle Tierschützer eine große Belastung. 

Wir unterstützen Maßnahmen vor Ort, spenden Futter, lassen Hunde kastrieren, impfen und medizinisch versorgen. Aber Tierheime und Auffangstationen sind überfüllt. Es gab schon immer sehr viele Straßentiere in der Ukraine, aber durch den Krieg sind noch unendlich viele Hunde und Katzen hinzugekommen, die ihre Familien verloren haben. Die Schicksale sind herzzerreißend und wir möchten alles tun, um möglichst viele in ein liebevolles Zuhause zu vermitteln.

Aber wir kennen auch die Herausforderungen, die der Alltag im Zusammenleben mit einem Hund (nicht nur aus dem Tierschutz), mit sich bringen kann.

Und wir wissen, wie sehr Wunsch und Realität auseinanderklaffen können.

Unser Ziel bei einer Vermittlung ist, dass Menschen und Hund miteinander glücklich werden und dieses Glück ein Hundeleben lang anhält.
Wir bitten Sie deshalb, dass Sie sich die folgenden Punkte bewusst zu machen und wirklich gut überlegen, bevor sie sich entscheiden, einen Hund zu adoptieren.  


Der Zeitfaktor

Habe ich genügend Zeit, um einem Hund gerecht zu werden?

Habe ich diese Zeit auch noch in der Zukunft oder stehen Veränderungen an z.B. beruflich oder durch eventuellen Nachwuchs?

Ihr neues Familienmitglied wird besonders in der Anfangsphase viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen von Ihnen fordern.

Das beginnt schon damit, dass viele Tierschutzhunde das Leben in einer Wohnung gar nicht kennen. Sie sollten bereit sein, den Hund langsam an unbekannte Situationen wie das Alleinbleiben zu gewöhnen und ihm z.B. zeigen, dass laute Haushaltsgeräte wie Staubsauger keine Gefahr darstellen.

Auch beim Thema Stubenreinheit ist möglicherweise Geduld gefordert, wenn es nicht gleich klappen sollte.

Ihr Hund möchte aber auch nach der Eingewöhnungsphase viel Zeit mit Ihnen verbringen. Ausgedehnte Spaziergänge und dem Charakter entsprechende Beschäftigung sorgen für artgerechte Auslastung. 

Ob gemeinsame Ausflüge, Beschäftigung wie Nasenarbeit oder gemeinsames Kuscheln auf dem Sofa – der Hund ist ein vollwertiges Familienmitglied, das in jeder Hinsicht den Alltag seiner Menschen teilt. 


Eine gemeinsame Entscheidung

Sind alle Familienmitglieder / im Haushalt lebende Personen einverstanden?

Einer der häufigsten Gründe, warum ein Hund wieder abgegeben wird, ist, dass der Lebenspartner:innen mehr oder weniger überredet wurde oder sich überhaupt nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt haben.

Dann kann schon in der Eingewöhnungsphase bei kleinsten Probleme der Haussegen schief hängen. Es ist wichtig, dass alle im Haushalt lebenden Personen von einer Adoption überzeugt sind.

Außerdem muss sichergestellt sein, dass kein Mitglied Ihrer Familie auf Hundehaare allergisch reagiert. 


Tierische Mitbewohner

Falls schon Hunde oder Katzen zu Ihrer Familie gehören, überlegen Sie gut, was bei der Wahl eines neuen tierischen Kumpels wichtig ist. Beispielsweise kann ein agiler Junghund als Mitbewohner für einen Seniorhund reinen Stress bedeuten. Und auch wenn wir die Bedürfnisse aller Beteiligten bestmöglich berücksichtigen, kann es einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Zusammenleben harmonisch verläuft.

Die Eingewöhnungszeit kann viel Geduld und Management erfordern.


Wohnsituation

Lässt meine Wohnsituation die Haltung eines Hundes zu?

Wenn Sie zur Miete wohnen, benötigen wir eine schriftliche Einverständniserklärung des Vermieters. Mittlerweile darf der Vermieter Hundehaltung zwar nicht mehr verbieten, jedoch kommt es diesbezüglich immer wieder zu Schwierigkeiten. Bedenken Sie auch, dass es deutlich schwieriger ist, mit Haustieren eine neue Wohnung zu finden.

Jeder Hund hat einen individuellen Charakter und eigene Bedürfnisse, denen Die mit Ihrer Wohnsituation gerecht werden sollten / müssen. 

So ist zum Beispiel nicht jeder Hund für ein Leben in einem Mehrfamilienhaus mitten in der Großstadt geeignet. Auch ängstliche Tiere werden hier vermutlich nicht glücklich. Außerdem sollten Sie bedenken, dass viele alte, kranke oder große Hunde Probleme mit dem Treppensteigen haben und nicht täglich mehrmals in den vierten Stock laufen können.

Wichtig sind auch gute Möglichkeiten zum Spazierengehen. Ist ein Park oder Wald in der Nähe, in der sich Ihr Hund richtig austoben kann? Falls nicht, wären Die bereit, jeden Tag mit dem Auto zu einem guten Spaziergehgelände zu fahren?

Gibt es vielleicht sogar die Möglichkeit, den Hund in einem sicher eingezäunten Gelände Auslauf zu bieten?


Kosten

Habe ich die finanziellen Mittel, um den Hund ideal zu versorgen?

In den letzten Jahren sind die Tierarztgebühren extrem angestiegen. Auch eine Tierkrankenversicherung schützt da nicht immer vor hohen Kosten.

Besonders im Alter können Medikamente und Tierarztbesuche teuer werden. 

Unterschätzen Sie auch nicht, was an regelmäßigen Ausgaben für Haftpflichtversicherung, Steuer, Futter, Parasitenschutz, Impfung, Entwurmung anfällt. Dazu kommen noch möglicherweise Aufwände für  Betreuung, Hundeschule und Anschaffungen wie Hundebett, Box, Leine, Spielzeug usw.

Die jährliche Kosten für den Hund summieren sich dabei schnell auf über 3000 Euro. (Was kostet ein Hund > mehr lesen)


Betreuung

Haben Sie an eine zuverlässige Lösung für Ihren Hund gedacht, falls sie ohne ihn in den Urlaub fahren oder ins Krankenhaus müssen?

Idealerweise sollten  Urlaube hundegerecht geplant werden und ihr Vierbeiner mit Ihnen verreisen.
Trotzdem braucht man grundsätzlich einen Plan B für den Notfall - am besten, würde der Hund in seiner gewohnten Umgebung von einer vertrauten Person betreut werden.
Sollten Sie eine Hundepension in Betracht ziehen, muss diese unbedingt sehr gut ausgewählt werden, nicht jeder Hund kommt mit der Unterbringung dort zurecht. 
Gerade für ängstlichere Hunde bedeutet es oft großen Stress von Menschen betreut zu werden, die sie nicht gut kennen. 


Jeder Hund eine Persönlichkeit

Jeder Hund ist anders und eine eigene Persönlichkeit, der seine individuellen Erfahrungen unterschiedlich verarbeitet, sich dem Umfeld mehr oder weniger anpasst und sich weiter entwickelt. 
Neben Genetik und Erlebtem (und Nichterlebtem) in der Vergangenheit spielen auch viele Faktoren im neuen Zuhause eine große Rolle.

Als Vermittler können wir den Hund nur so beschreiben, wie er sich in seinem bisherigen Umfeld verhält. Unsere langjährige Erfahrung kann dabei helfen, den Hund weiter einzuschätzen, aber Garantien können wir natürlich nicht geben.
Zum Beispiel kann ein Hund, der verängstigt in einem Zwinger in der Ukraine sitzt, von der dortigen Situation überfordert sein und sich in einem liebevollen Zuhause völlig verändert und entspannt und selbstbewusst zeigen. Es kann aber auch lange dauern, bis er seine Ängste ablegt oder er wird sein Leben lang in bestimmten Situationen ängstlich bleiben. Selbst wenn man ihm alle denkbare Unterstützung gibt. Dann muss der Adoptant bereit sein sich und Bereiche seines Alltags darauf einzustellen. 


Verantwortung

Hundehaltung bedeutet viel Verantwortung! Sind Sie bereit, Ihren Hund ausnahmslos jeden Tag zu versorgen, auch wenn Sie krank, müde oder gestresst sind?

Halten Sie sich für körperlich und psychisch ausreichend belastbar?

Wenn Sie das Gefühl haben, in Ihrem jetzigen Alltag schon oft an Grenzen zu kommen, weil es an Kraft, Zeit und Nerven fehlt, können zusätzliche Aufgaben zu Überforderung führen.

Ihre eigene  Familienstruktur wird sich vielleicht irgendwann ändern. Kinder ziehen aus, Paare trennen sich. Ist dennoch die Versorgung und Betreuung eines Tieres sichergestellt? 

Bedenken Sie, dass ein Hund mindestens 10 bis 15 Jahre alt werden kann. Besonders im Alter entwickelt er oft neue Bedürfnisse. Möglicherweise kann er dann nicht mehr allein bleiben oder keine langen Ausflüge mehr machen, weil sie zu anstrengend werden. Vielleicht bekommt er gesundheitliche Probleme. Das kann bedeuten, dass Sie Abläufe und Alltag neu organisieren und sich noch einmal ganz neu auf Ihren Hund einstellen müssen.  



Unsere Vermittlungskriterien


  • Wir vermitteln innerhalb Deutschlands und in grenznahe Gebiete in der Schweiz.

  • Interessent:innen sollten mindestens 25 Jahre alt sein und sich in einer gefestigten Lebenssituation befinden.

  • Die Lebenserwartung der Hunde sollte in Relation zum  Alter des Interessenten stehen.
    Senioren sollten eine Person aus dem persönlichen / engen Umfeld (Verwandte oder enger Freundeskreis) benennen, die bereit ist, Verantwortung für den Hund zu übernehmen - im Notfall kurzfristig, und auch langfristig.

  • Hunde können nur an Familien vermittelt werden, in denen das jüngste Kind mindestens 6 Jahre alt und ein Elternteil hundeerfahren ist und wir den Hund in Bezug auf Kinder einschätzen können.

  • Hunde werden nur an Einzelpersonen vermittelt, wenn eine Betreuung für den Notfall gesichert ist.

  • Interessent:innen, die zur Miete wohnen, brauchen eine schriftliche Einverständniserklärung des Vermieters

 
 
  • Interessent:innen, die angeben, im Homeoffice zu arbeiten oder den Hund mit zur Arbeit nehmen zu können, brauchen eine Bestätigung des Arbeitgebers

  • Ein liebevoller Umgang mit dem Hund und ein fairer gewaltfreier Erziehungsstil ist Grundvoraussetzung. Dazu gehört auch die Verwendung eines Brustgeschirrs. 
    Das Verbot von aversivem Training wird im Schutzvertrag festgeschrieben. Zur Wahl einer guten Hundeschule und zu fairem, bedürfnisorientiertem Training beraten wir sie gerne.

  • Bei der Direktadoption eines Zweit- oder Dritthundes aus der Ukraine sollten der/die Ersthund(e) absolut verträglich sein. Außerdem sollte(n) es die Möglichkeit geben, die Hunde in der Anfangszeit zu separieren..

  • Eine Vermittlung in ein städtisches Umfeld ist für die meisten Hunde nicht möglich, da sie dies nicht kennen und wir nicht wissen, ob sie damit zurecht kommen.  Im Zweifelsfall schreiben Sie uns gerne an, bevor Sie die Selbstauskunft ausfüllen. 


Sie haben noch Fragen?
Kontaktieren Sie uns über das Kontaktformular oder per mail an  white-paw@gmx.de